Ein Schuss vor den Bug zur richtigen Zeit
Das spielfreie Wochenende am vergangenen Sonntag scheint unserer Zweiten nicht unbedingt gutgetan zu haben. Dabei begann die Partie gegen den FC Hellas nahezu perfekt: Bereits in der 2. Minute beendete Leon Prinz seine Ladehemmung und brachte unser Team früh mit 1:0 in Führung. Als Enno Werling nur sechs Minuten später auf 2:0 erhöhte, deutete zunächst vieles auf den nächsten Dreier unserer Zweiten hin.
Doch der gute Start brachte nicht die erhoffte Sicherheit ins Spiel. Im Gegenteil: Mit zunehmender Spieldauer schlichen sich immer mehr Unkonzentriertheiten ein. Von der Aggressivität, Konsequenz und Entschlossenheit, die unsere Mannschaft in den ersten drei Saisonspielen ausgezeichnet hatte, war immer weniger zu sehen. Bis zur Pause blieb es dennoch beim komfortablen 2:0.
Nach dem Seitenwechsel zeigte sich dann, wie schnell ein Fußballspiel kippen kann, wenn man in Konzentration und Intensität nachlässt. Die Zweikämpfe wurden nicht mehr konsequent geführt, im Passspiel häuften sich die Fehler und insgesamt fehlte die nötige Ruhe und Klarheit. So machte man einen Gegner stark, der bis dahin noch ohne Punktgewinn geblieben war.
Der FC Hellas nahm die Einladung dankend an und drehte die Partie innerhalb von nur acht Minuten zwischen der 61. und 69. Minute komplett. Plötzlich lag unsere Zweite mit 2:3 zurück – und musste einem Spiel hinterherlaufen, das sie eigentlich schon unter Kontrolle gehabt hatte.
Die Reaktion auf den Rückstand war zwar bemüht, lange Zeit fehlten jedoch die Ideen und die nötige Durchschlagskraft, um sich klare Torchancen zu erspielen. Erst in der Nachspielzeit wurde unser Team wieder zwingender. In der 96. Minute war es schließlich Julius Cabalzar, der mit seinem Treffer zum 3:3 zumindest noch einen Punkt rettete.
Dass Andi Lahn dieses Mal im Tor aushelfen musste, soll dabei keineswegs als Erklärung für den Spielverlauf dienen. Vielmehr muss die Mannschaft die Partie als wichtige Erfahrung mitnehmen: Ein guter Start und eine frühe Führung reichen nicht aus. Spiele müssen über die gesamte Dauer mit Konzentration, Einsatzbereitschaft und Konsequenz bestritten werden.
Vielleicht kommt dieser Schuss vor den Bug sogar zum richtigen Zeitpunkt. Die bisherigen guten Leistungen haben gezeigt, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt. Gleichzeitig hat dieses Spiel deutlich gemacht, dass Erfolg nicht selbstverständlich ist und in jeder Partie neu erarbeitet werden muss.
Nun gilt es, die richtigen Lehren daraus zu ziehen. Jeder Einzelne muss bereit sein, seine Aufgabe über die volle Spielzeit mit 100 Prozent anzunehmen. Die Gelegenheit zur direkten Reaktion gibt es bereits am kommenden Wochenende in Bockum. Und die Aufgabe dürfte anspruchsvoll werden: Bockum gewann zuletzt mit 4:0 gegen den FC Hellas.
Die Antwort auf dem Platz wird zeigen, ob unsere Zweite aus diesem Spiel gelernt hat.
Autor: Rald Boortz